Ein Jahr nach Halle

Am 9. Oktober ist das Attentat von Halle genau ein Jahr her. An Jom Kippur, dem jüdischen Versöhnungsfest, versuchte der Täter in eine Synagoge in Halle einzubrechen, um die dort Anwesenden zu töten. Als das nicht geling, erschoss er eine Passant*in und eine Gäst*in in einem Döner-Imbiss. Der fehlende Polizeischutz vor der Synagoge an einem jüdischen Feiertag und das späte Eintreffen der Polizei am Tag des Attentats zeigen, dass die Polizei auf dem rechten Auge blind ist. Der von den Medien und Justiz erfundene Mythos des Einzeltäters und der Fokus auf psychische Erkrankungen der Täter lässt Attentate als Randphänomenen erscheinen und lenkt von strukturellen Fragen ab. Zu den Motiven des Attentäters zählten nicht nur Rassismus und Antisemitismus, sondern auch Frauen*feindlichkeit und Antifeminismus. Frauen*feindlichkeit wird in der Debatte größtenteils ignoriert, obwohl es als „Einstiegsdroge“ für rechtes Gedankengut verstanden werden kann und ein Bindeglied zwischen rechten Strömungen und der Mitte der Gesellschaft darstellt. Als Sprach – und Kulturbörse  stehen wir für eine inklusive Gesellschaft und positionieren uns kollektiv und vehement gegen Rassismus, Antisemitismus, Frauen*feindlichkeit und jede Form von Menschenfeindlichkeit. Das Attentat in Halle und die zahlreichen weiteren rechtsterroristischen Anschläge der Vergangenheit dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Daher wollen wir auf die Präsenz von Rassismus und Antisemitismus in unserer Gesellschaft aufmerksam machen, sowie deren Verbindung zu antifeministischen Ideologien hervorheben. Wir gedenken den Toten, und den Überlebenden und Angehörigen, die schwere Traumata davongetragen haben, und sprechen unsere Solidarität zu.

[Einige Mitglieder der SKB, 07.10.2020]